Kennen Sie die 5 entscheidenden Vorteile eines Midline-Katheters?

Houda Charhi

Kurze periphere intravenöse Katheter (pVKs) werden weltweit von Anwendern häufig als Standardzugang für kurz- und mittelfristige Therapien verwendet. Bei mittelfristigen Therapien können sie jedoch problematisch sein, da mehrere Kanülen während der Behandlungsdauer erforderlich sind.

Viele Fachleute bevorzugen daher zentrale Venenkatheter, die jedoch kontraindiziert sein können und spezielle Fachkenntnisse sowie zusätzliche Kosten erfordern.

Um die Lücke zwischen pVKs und zentralen Venenkathetern zu schließen, wurden in den 1950er Jahren Midlines eingeführt. Heute gelten sie als „Zwischenlösung“ in der intravenösen Therapie.

In diesem Artikel definieren wir Midlines und zeigen die Indikationen sowie ihre Vorteile im Vergleich zu pVKs und zentralen Venenkathetern auf.

Was sind Midlines?

Die Infusion Therapy Standards of Practice (INS 2021) unterscheiden zwischen Mini-Midlines und Midline-Kathetern:

  • Mini-Midline oder Längere periphere intravenöse Katheter (long PIVC): Diese werden in oberflächliche oder tiefe periphere Venen eingeführt und bieten eine Option, wenn ein kurzer PIVC nicht ausreicht, um die verfügbare Vene vollständig zu kanülieren. Ein langer PIVC kann entweder über die traditionelle Over-the-needle-Technik oder mit fortgeschritteneren Verfahren wie der Seldinger- oder modifizierten Seldinger-Technik platziert werden.
  • Midline-Katheter: Diese werden in eine periphere Vene des Oberarms eingeführt, typischerweise über die Vena basilica, cephalica oder brachialis. Die Katheterspitze liegt bei Kindern und Erwachsenen auf Höhe der Achselhöhle. Bei Neugeborenen können Midline-Katheter zusätzlich zu Armvenen auch über eine Kopfvene eingeführt werden, wobei die distale Spitze in der Vena jugularis, oberhalb des Schlüsselbeins oder in der unteren Extremität unterhalb der Leistenfalte liegt.

Indikationen für Midlines

Midlines können zur Verabreichung von Blut, Flüssigkeiten und peripher verträglichen Medikamenten verwendet werden und können in folgenden Fällen eingesetzt werden:

Vorteile von Midlines

In vielen Situationen kann es vorteilhafter sein, einen Midline-Katheter anstelle einer pVK oder eines zentralen Venenkatheters (ZVK) zu verwenden.

Hier bieten sich folgende Vorteile:

  1. Längere Verweildauer als pVK

Midlines haben aufgrund ihrer Länge eine längere Verweildauer als periphere Venenverweilkanülen (pVKs). Laut Devries et al. (2016) beträgt die Verweildauer von pVKs 2,3 bis 4,3 Tage. Bei mittelfristigen Therapien müssen die Kanülen häufig entfernt oder ersetzt werden, was zu mehreren Einstichen führt. Dies macht pVKs für längere Therapien oder Patienten mit schwierigem venösem Zugang ungeeignet.

Im Gegensatz dazu haben Midlines laut Fabiani et al. und Moureau et al. (2015) eine Verweildauer von 7,7 bis 16,4 Tagen. Diese längere Verweildauer macht Midlines zu einer besseren Option für sichere und zuverlässige mittelfristige Therapien.

  1. Verringerung schwerwiegender Komplikationen 

Der Einsatz von Midlines kann das Risiko von Komplikationen im Vergleich zu peripheren Venenverweilkanülen (pVKs) und zentralen Venenkathetern (ZVKs) senken. Eine Studie von Marsh et al. (2023) hat gezeigt, dass pVKs ein höheres Risiko für Phlebitis und Infiltration aufweisen. Bei peripher eingeführten zentralen Kathetern (PICCs) wurde in der Literatur festgestellt, dass ihre Verwendung mit einem höheren Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie katheterassoziierte Blutstrominfektionen (CLABSI) und Katheterokklusion verbunden ist. Daher scheinen Midlines sicherer für Patienten zu sein, die mittelfristige Therapien benötigen.

  1. Kann von Pflegekräften platziert werden 

Die Platzierung von Midlines kann an dafür ausgebildete Pflegekräfte delegiert werden. Dies spart nicht nur Zeit für die Teams, sondern kann das Risiko schwerwiegender Komplikationen, die mit der Einführung zentraler Venenkatheter einhergehen, verringern. Um die ordnungsgemäße Funktion des Katheters und die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten, ist eine Schulung des Gesundheitspersonals bzgl. Platzierung eines Midline, sowie dessen Pflege erforderlich.

  1. Kann das Wohlbefinden von Patienten und Gesundheitspersonal verbessern 

Midlines können sich positiv auf das Wohlbefinden von Patienten und Gesundheitspersonal auswirken. Die Literatur zeigt, dass Midlines eine hohe Erfolgsrate beim ersten Platzierungsversuch haben. Dies macht sie zu einer komfortableren Option für Patienten, da sie nicht mehreren Punktionsversuchen und damit Nadelstichen ausgesetzt sind. Die Reduzierung der Einstiche in Kombination mit der möglichen Platzierung von Midlines bei DIVA*-Patienten kann auch Ärzten und Pflegekräften zugutekommen. Es würde helfen, ihre Arbeitsbelastung und den Stress im Zusammenhang mit der Schwierigkeit, Venen zu finden, verringern.

 *Patient with Difficult Venous Access

  1. Eine wirtschaftliche Alternative 

Midlines sind eine kostengünstige Alternative im Vergleich zu pVKs und ZVKs. Die Literatur hat gezeigt, dass die Zunahme der Midline-Platzierung durch ein geschultes Team über einen Zeitraum von zwei Jahren die Kosten für die VAD-Platzierung (vascular access device) erheblich reduzierte. Laut Meto et al. (2024) können durch den Einsatz von Mini-Midlines (für Zeiträume von 7 bis 21 Tagen bei der Behandlung von Peritonitis, Mukoviszidose und Meningitis) im Vergleich zu pvKs und PICCs Kosten eingespart werden.

Der Midline-Katheter bietet einen sicheren Gefäßzugang, über den Patienten auch zu Hause ihre Infusionstherapie erhalten können. Für die ambulante Versorgung stehen spezialisierte Homecare-Dienstleister zur Verfügung, die die Infusionstherapie koordinieren und die Patienten während der gesamten Therapie betreuen.

Mit der Sicherheit und dem Wohlbefinden der Patienten als oberste Priorität könnten Midlines als das am besten geeignete venöse Zugangssystem (VAD) für mittelfristige Therapien angesehen werden. Sie bieten verschiedene Vorteile, die sowohl den Patientenkomfort als auch den allgemeinen Komfort verbessern. Darüber hinaus bieten Midlines einen wichtigen Vorteil für Gesundheitseinrichtungen, da sie sich als wirtschaftlicher und einfacher in der Anwendung erwiesen haben. Dennoch ist eine spezifische Schulung von Pflegekräften und Gesundheitspersonal erforderlich, um ein sicheres, patientenzentriertes Verfahren zu gewährleisten.

Quellen:


  1. N Richard Anderson – “Midline catheters: the middle ground of intravenous therapy administration” – Journal of Infusion Nursing 2004 Sep-Oct;27(5):313-21 – Available online: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15385895/
  2. Lakshmi Swaminathan, Scott Flanders, Jennifer Horowitz, Qisu Zhang, Megan O’Malley, Vineet Chopra – “Safety and Outcomes of Midline Catheters vs Peripherally Inserted Central Catheters for Patients With Short-term Indications: A Multicenter Study” – JAMA Intern Med. 2022 Jan 1;182(1):50-58 – Available online: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34842905/
  3. Daniel Z. Adams MD, Andrew Little DO, Charles Vinsant MD, Sorabh Khandelwal MD – “The Midline Catheter: A Clinical Review” – The Journal of Emergency Medicine (Volume 51, Issue 3, September 2016, Pages 252 – 258 – Available online: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0736467916301597
  4. X. Shanja-Grabarz, L. Santoriello, G. Ritter, V. Patel, J. Nicastro, R. Barrera. – “Midline Catheters: An Underutilized, Cost-Effective Means of Decreasing Central Venous Catheter Use” – Academic surgical congress abstracts archive (January, 2019) – Available online: https://www.asc-abstracts.org/abs2019/59-05-midline-catheters-an-underutilized-cost-effective-means-of-decreasing-central-venous-catheter-use/
  5. Emma Bundgaard Nielsen, Louise Antonsen, Camilla Mensel, Nikolaj Milandt, Lars Skov Dalgaard, Britta Skov Illum, Hanne Arildsen, Peter Juhl-Olsen – “The efficacy of midline catheters—a prospective, randomized, active-controlled study” – International Journal of Infectious Diseases (Volume 102, January 2021, Pages 220-225) – Available online: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1201971220322578
  6. DeVries, M., Valentine, M., & Mancos, P. (2016) – “Protected clinical indication of peripheral intravenous lines: Successful implementation” – Journal of the Association for Vascular Access, 21(2), 89–92. https://doi. org/10.1016/j.java.2016.03.001
  7. Moureau, N., Sigl, G., & Hill, M. (2015). “How to establish an effective midline program: A case study of 2 hospitals.” – Journal of the Association for Vascular Access, 20(3), 179–188. https://doi.org/10.1016/j.java. 2015.05.001
  8. Fabiani, A., Dreas, L., & Sanson, G. (2017). “Ultrasound-guided deep-arm veins insertion of long peripheral catheters in patients with difficult venous access after cardiac surgery. Heart & Lung”, 46(1), 46–53. https://doi.org/10.1016/j.hrtlng.2016.09.003
  9. Nicole Marsh, Emily N. Larsen, Catherine O’Brien, Robert S. Ware, Tricia M. Kleidon, Peter Groom, Barbara Hewer, Evan Alexandrou, Julie Flynn, Kaylene Woollett, Claire M. Rickard – “Safety and efficacy of midline catheters versus peripheral intravenous catheters: A pilot randomized controlled trial” – International Journal of Nursing Practice (Volume 29, Issue 2, April 2023) – Available online: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/ijn.13110
  10. Meto et al., 2024, Cost comparison of four venous catheters: Short peripheral catheter, Long peripheral line, Midline, and PICC for peripheral infusion, The Journal of Vascular Access 1–9; Available online: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38855974/

weitere Beiträge…

Der Trend zur „Walking-PDA“ bei der Geburt und seine Vorteile

Der Trend zur „Walking-PDA“ bei der Geburt und seine Vorteile

Die „Walking-PDA“ revolutioniert die geburtshilfliche Anästhesie, indem sie Frauen während der Geburt ermöglicht, sich zu bewegen und aktiv teilzunehmen, ohne auf eine effektive Schmerzlinderung zu verzichten. Diese innovative Technik bietet nicht nur psychologische Vorteile, sondern verkürzt auch die Geburtsdauer und reduziert die Notwendigkeit von Instrumenten oder Dammschnitten. Entdecken Sie die Vorteile dieser modernen Anästhesiemethode, die eine humanisierte Geburt fördert.

WAS UNTERSCHEIDET DIE P.R.A.M.-METHODE VON MINIMAL-INVASIVEN  METHODEN ZUR HÄMODYNAMISCHEN ÜBERWACHUNG?

WAS UNTERSCHEIDET DIE P.R.A.M.-METHODE VON MINIMAL-INVASIVEN  METHODEN ZUR HÄMODYNAMISCHEN ÜBERWACHUNG?

P.R.A.M. vs. FloTrac – Vergleich zweier Methoden zur hämodynamischen Überwachung

Die Entscheidung für ein Überwachungssystem ist essenziell. In unserem Blog vergleichen wir die P.R.A.M.-Methode und FloTrac: Wie unterscheiden sie sich in Genauigkeit, Invasivität und Benutzerfreundlichkeit? Und welche Methode liefert zuverlässigere Ergebnisse im Vergleich zur Echokardiographie?

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert